Für jeden Mountain Biker ist ein Alpencross das Größte. Nur mit dem Fahrrad über die Alpen, das hat doch noch was von Herausforderung. In vielen Fachzeitschriften wird regelmäßig über solche Touren berichtet und ich geriet jedes Mal ins Schwärmen.

An meinem 50. Geburtstag bekam ich von einem Freund das Buch "Alpencross" von Achim Zahn, einem professionellen Bikeguide, geschenkt. Beim Lesen reifte ein Entschluss: Jetzt oder nie, man wird schließlich nicht jünger. Und wenn schon, dann sollte es auch die klassische Route von Oberstdorf zum Gardasee sein.

Von den vier in dem Buch angebotenen Routen entschied ich mich dann wieder für den Klassiker: Die Heckmaier- Route. Auf dieser Strecke fuhr der Oberstdorfer Bergführer Andi Heckmaier 1989 als einer der ersten Mountain Biker auf dem direkten Weg zum Gardasee.

Als ich mit SiGGi (von den Besorgten Bikern) über mein Vorhaben sprach, galt es nur noch den Termin abzustimmen und schon hatte ich einen Partner. Mit Hans konnten wir einen weiteren Besorgten Biker und alten

So begannen wir, unterstützt von Josef (der zu dem Zeitpunkt leider keinen Urlaub mehr hatte), mit der Detailplanung. Landkarten wurden beschafft und im Internet Reiseberichte studiert. Auf mehreren gemeinsamen Abenden wurden dann die Prioritäten festgelegt:

  • Um genügend Zeit zum fotografieren und genießen der Landschaft zu haben, sollte die Reisedauer für uns 7 Tage betragen
  • Das lange Schiebestück über den Passo di Campo und den Asphalttag über den Gaviapaß wollten wir uns nicht antun. Also suchten wir hier Alternativrouten und legten schließlich die Eckpunkte wie folgt fest: Oberstdorf - Schrofenpass - Kirstbergsattel - Schlappiner Joch - Davos - Scaletta Pass - Chachauna Pass - Livigno - Passo Alpisella - Passo Verva - Passo della Foppa - Edolo - Passo Croce Domini - Tremalzo - Riva
  • Die einzelnen Tagesettappen liegen zwischen 45 km und 60 km bei ca. 1300 hm bis max. 2000 hm. Insgesamt rechnen wir mit ca.320 km und ca. 11000 hm.
  • Wir wollten auf jeden Fall auf der Freiburger- Hütte übernachten. Die anderen Übernachtungen sollten in Hotels oder Pensionen erfolgen. Die Quartiere wurden im Vorfeld gebucht.

In einer letzten Besprechung galt es noch die erforderliche Ausrüstung abzustimmen.


Am Donnerstag, den 18.08.05 war es endlich soweit: Wir holten Hans ab und fuhren bei schönstem Wetter mit ihm ins Allgäu nach Vorderburg. Dort wartete Siggi schon auf uns. Hier wollten wir uns auf den Start am 22.08.05 vorbereiten.

So stand am folgenden Tag eine kleine Tour auf Siggis Hausrunde auf dem Programm. Mit Reisegepäck ging es 40,46 km bei 850 hm rund um Vorderburg. Beim Gewichtsvergleich der Rucksäcke lag ich mit 9,0 kg am höchsten. Als ich dann die Räder von Hans und Siggi sah, wusste ich auch warum: Hans hatte das Werkzeug, die Luftpumpe und die zweite Trinkflache am Rad montiert. Bei Siggi sah es ähnlich aus. Er hatte eine zusätzliche Gürteltasche für Werkzeug und Handy um. Dadurch konnte das Rucksackgewicht natürlich minimiert werden.

Während dieser Fahrt fing meine vordere Scheibenbremse mal wieder an zu quietschen. Unterwegs wurde sie mit dem vorhandenen Bordwerkzeug und der Lesebrille von Hans gesäubert.

Geräuschlos ging es anschließend durch die Allgäuer Wiesen. Hier waren die Bauern damit beschäftigt, reichlich Gülle auf den Wiesen zu verteilen. Für den folgenden Tag hatte man Regen angesagt. Wir dachten nicht weiter darüber nach, da Ulrike und ich eh noch einen Abstecher nach Garmisch- Partenkirchen machen wollten.

Den Samstag vor der Tour suchten wir in Garmisch nach einer Satteltasche für mein Werkzeug. Leider schlossen alle einschlägigen Geschäfte schon um 12:00 Uhr und in den Supermärkten fanden wir nicht das Passende. Da wir am Montag sowieso bei Radsport Heckmeier in Obersdorf starten wollten wurde der Kauf eben verschoben. Während des Vormittags regnete es, am Nachmittag unternahmen wir bei schönem Wetter wieder einen längeren Spaziergang. Dass es auch in der Nacht zum Sonntag fieselte störte uns auch nicht weiter. Erst als Siggi am Sonntagmorgen anrief und vorschlug die Tour auf Grund des Regens um zwei Tage zu verschieben, wurde ich etwas stutzig. Schließlich hatten wir alle Quartiere im Vorfeld gebucht.

Wir fuhren über Oberammergau und dem Plansee zurück nach Vorderburg. Und es regnete die ganze Zeit. Dort beschlossen wir dann, auch nach Betrachtung der einschlägigen Wettervorhersagen, den Start der Tour auf Mittwoch den 24.08.05 zu verlegen. Hans übernahm das Organisieren der notwendigen Faxe zu den Unterkünften. Ulrike und ich fuhren nach Obersdorf auf den Wohnmobilstellplatz. Dort verbrachten wir die nächsten zwei Tage.{mosimage cw=200}

Am Montag ging ich zunächst zu Radsport Heckmeier und kaufte mir die besagte Werkzeugsatteltasche. Gleichzeitig erfuhr ich von Andi Heckmeier, dass heute bereits drei Gruppen zum Alpencross aufgebrochen sind. Er meinte aber auch, dass es angesichts der Wetterlage auf jeden Fall besser sei, bis Mittwoch zu warten.

Für größeres Bild bitte klicken!So verbrachten wir den Montag mit einem Spaziergang im Dauerregen entlang der Trettach. Noch lachten wir darüber. Als der Fluß, den wir eigentlich nur als kleinen Gebirgsbach kannten am Abend aber eine braune Farbe annahm und der Wasserstand soweit stieg, dass der Uferweg gesperrt werden musste, ahnten wir schon, dass dies kein normaler Regen war. Es herrschte eine so genannte 5B- Wetterlage vor. Den ganzen Abend über fuhren Feuerwehr und andere Einsatzfahrzeuge ständig mit Blaulicht entlang der Trettach. Um 23:00 Uhr war der Uferweg überflutet. Ich erkundigte mich bei dem städtischen Bauhof, ob für den Stellplatz, der ja nur 50m neben dem Fuß lag eine Gefahr bestand. Dies wurde verneint. Trotzdem war es eine unruhige Nacht, da man ständig das Rauschen der Wassermassen hörte. Und es regnete immer noch.

Für größeres Bild bitte klicken!Dienstagmorgen hörten wir in den Nachrichten dann von den ersten Überflutungsmeldungen. Die Bundesstraße und die Eisenbahnstrecke von Fischen nach Obersdorf waren wegen Überflutung gesperrt. Auch aus weiteren Teilen Bayern, Österreichs und der Schweiz wurden katastrophale Zustände gemeldet. Da rief Siggi an und sprach erstmals davon, die Tour ganz abzusagen. Und wieder war ich verdutzt. Zu lange hatte ich mich auf die Alpenüberquerung gefreut. Ich ging noch mal zu Andi Heckmeier und holte mir seine Meinung ein. Er meinte, das Wasser würde sehr schnell aus den Bergen abfließen. Und dann muss man im Einzelfall entscheiden, wie es weitergeht. Die Alpen sind nicht der Himalaya. Es gibt immer eine Alternativroute und im Zweifelsfall auch einen Ausstieg. Besonders treffend fand ich seinen Vergleich: Wenn Du mit einem Segelschiff in den Sturm kommst, dann gehst Du auch nicht in die Kajüte und besäufst Dich, sondern versuchst durch den Sturm zu kommen.

Für größeres Bild bitte klicken!Siggi und Hans sahen das aber etwas anders. Sie hatten telefonisch versucht mit der Freiburger Hütte Kontakt aufzunehmen. Aber alle Telefon- und auch die Straßenverbindungen ins Lechtal waren gestört. Vom Verkehrsamt in Zuoz erfuhren wir, dass es in der Schweiz ähnlich aussah. Somit war ein Ausstieg aus der Tour auf der nördlichen Alpenseite nicht möglich. Da Hans' Frau am Mittwoch zur Reise an den Gardasee aufbrach, drängte auch etwas die Zeit. Gemeinsam beschlossen wir deshalb die Tour abzubrechen. Hans und Siggi fuhren direkt zum Gardasee und wir wollten uns am folgenden Sonntag dort treffen. Wir hatten nämlich sinnigerweise unsere Mautvignette auf diesen Tag datiert.

Für größeres Bild bitte klicken!Den folgenden Tag verbrachten Ulrike und ich in Füssen. Es hatte mittlerweile zu regnen aufgehört. Aber in allen Nachrichtensendungen wurde über die Auswirkungen des Regens und dem damit verbundenen Hochwasser im nördlichen Alpenraum berichtet. Auch wir konnten sie bei unseren Spaziergängen am Forggensee sehen.

Trotzdem war ich mit der Alpenüberquerung noch nicht am Ende. Mir fiel eine ursprüngliche Idee wieder ein: Ich fahre die Tagesettappen mit dem Fahrrad und Ulrike fährt mit dem Wohnmobil zu den Tageszielen. Natürlich war die Zeit der Vorbereitungen jetzt nicht mehr gegeben. So entschloss ich mich kurzerhand zu einem "leichten" Alpencross über die Via Claudia, wie sie auch Achim Zahn in seinem Buch beschreibt. In Füssen fand ich auch annähernd passendes Kartenmaterial von bikeline. Somit konnte der Alpencross 2005 doch noch starten!


Füssen - Hohenschwangau - Brückenau - Jägerhütte - Plansee (- Griesen - Ehrwald) - Heiterwang -Leermoos - Bieberwies - Fernpass - Nassereith - Imst

[90,44 km]

Am Donnerstag, den 25.08.05 startete ich um 9:00 Uhr auf dem Wohnmobilstellplatz in Füssen. Da ich nicht wusste, wie weit ich komme, hatte ich mich mit Ulrike zunächst in Bieberwies verabredet.

Für größeres Bild bitte klicken!Bei trockenem Wetter fuhr ich nach Hohenschwangau. Ein Blick auf das Schloss und den Alpsee musste sein. Ich fuhr an Schloss Neuschwanstein vorbei über Brückenau zur Jägerhütte. Der Wasserstand der Bäche war überall wieder normal.

Für größeres Bild bitte klicken!Nur an den Ufern und Wehren lagen die Überreste des Hochwassers. Oben auf der Alm sah alles ganz friedlich aus. Schwieriger war da schon die Abfahrt über den Schützensteig zum Ammerberg- Hotel. Stark ausgewaschene Fahrrinnen und tiefe Löcher erforderten höchste Konzentration. Eine gebrochene Brücke musste umgangen werden, aber wie gesagt: Der Wasserstand war wieder normal. Auf dieser Abfahrt überholte ich zwei Biker, die ganz schön schimpften.

Für größeres Bild bitte klicken!Das Ammerberg- Hotel war wegen Hochwassers geschlossen. Da die Stromleitungen offensichtlich defekt waren brummte auf der anderen Straßenseite ein Dieselgenerator. Den eigentlichen Grund für die Schließung bemerkte ich allerdings erst, als ich die Landstraße zum Plansee hinunterfuhr. Ich wunderte mich schon, dass mir keine Autos begegneten, bis ich hinter einer Brücke sah, dass die komplette Straße weggespült war. Da stand ich nun und dachte an die Worte von Andi Heckmeier. Lage sondiert und mit einem quer liegenden Baum im Rücken mit dem Bike auf dem Rücken durch den Bach gewatet. Im weiteren Verlauf zum Plansee sah ich noch einige zum Teil schon weggeräumte Muren. Aber für Autos absolut kein Durchkommen.

Bei einer Tasse Kaffee am Kiosk erkundigte ich mich nach der Befahrbarkeit des Weges nach Griesen. Es seinen schon mehrere Biker in die Richtung gefahren und noch keiner zurückgekommen. Das gab mit Mut und ich fuhr weiter. Vorbei an den Absperrschildern und Flatterbändern.

Als ich in das Tal der Neidernach kam, sah die Brücke von weitem ganz gut aus. Aber als ich davor stand, war auch sie von dem Hochwasser zerstört. Wieder das Bike auf den Rücken und durchs Wasser auf die andere Seite und weiter. Als mir dann ein Biker entgegenkam, war die Talfahrt beendet: Dort unten ist kein Weg mehr. Nur noch Wasser.

Für größeres Bild bitte klicken!Roger, so hieß der Biker war auch auf dem Weg zum Gardasee. Auch er wollte ursprünglich von Obersdorf über die Joeroute dort hin und hatte nun ebenfalls die Via Claudia gewählt. Wir beschlossen gemeinsam zurückzufahren. Wir trafen dann noch auf Wolfgang und Jürgen, dass waren die Zwei, die ich auf dem Schützensteig überholt hatte. Auch sie schlossen sich uns an und wir fuhren um Plansee und Heiterwanger See zur Bundesstraße nach Leermoos. An den Seeufern mussten immer wieder kleinere Murenabgänge überwunden werden.

Gemeinsam erreichten wir Bieberwies und beschlossen noch über den Fernpass zu fahren. Ulrike wurde nach Imst auf den Campingplatz dirigiert und wir füllten noch mal unsere Flaschen und starteten durch. Da Roger die Strecke im letzten Jahr schon mal gefahren war, hatten wir gleichzeitig einen kundigen Führer.

Für größeres Bild bitte klicken!Die Überquerung des Fernpass gestaltete sich auf dem alten Römerweg eigentlich sehr einfach. Ohne viel Anstrengung erreichten wir auf Forstwegen die obere Zieltafel. Ein paar Fotos von den Serpentinen der Bundesstraße und ab ging es auf der anderen Seite hinunter. Der Downhill war technisch nicht ganz ohne. Er führte über einen Hohlweg und man musste schon auf die in den Stein gemeißelten Spurrillen der alten Römer achten. Ein Teil des Weges führte dann auf einem Holzsteg am ausgesetzten Fels vorbei. Für größeres Bild bitte klicken!Fahrtechnisch nicht einfach, deshalb blieb keine Zeit zum fotografieren. Zu schön war der Rausch der Geschwindigkeit. Erst hinter Schloss Fernstein stoppte ich mein Bike und wartete auf Wolfgang, Jürgen und Roger.

Der weitere Weg führte uns über Forstwege nach Nassereith. Hier suchten sich meine drei neuen Partner ein Nachtquartier. Ich fuhr noch durch den Strader Forst ins ca. 20 km entfernt Imst auf den Campingplatz, wo Ulrike schon mit dem Essen auf mich wartete.


Imst - Landeck - Flies - Pfunds - Nauders - Reschen - Graun - St. Valentin

[88,21 km Σ178,65 km]

Für größeres Bild bitte klicken!Aus dem Radio und vom Besitzer des Campingplatzes erfuhren wir näheres über die Ausmaße des Unwetters in Österreich. Vorarlberg und weitere Täler waren mit dem Auto nicht zu erreichen. Das für uns wichtigste: Der Reschenpass war ebenfalls für Kraftfahrzeuge gesperrt. Ulrike musste mit dem Wohnmobil über den Brennerpass und dann das Etschtal hochfahren, um am Abend auf der anderen Seite des Reschenpass auf mich zu warten.

Wolfgang und Jürgen bliesen an dieser Stelle ihre geplante Tour nach Meran ab und entschieden sich im Inntal zu bleiben. So setzte ich den Alpencross mit Roger alleine fort. Der Weg führte zunächst am Inn aufwärts nach Landeck. Hier bekamen wir die Auswirkungen des Hochwassers besonders deutlich mit. Wir sahen eine weggespülte Kläranlage, die mit Hochdruck wieder aufgebaut wurde und jede Menge Hubschrauber, die im Fünfminutentakt landeten und starteten. Zum Teil mit riesigen Säcken untergehängt. So wurden die von der Außenwelt abgeschnittenen Täler in Tirol und Vorarlberg versorgt. Wenn ich mir überlege, dass dies unsere ursprüngliche Route war, war es schon gut, einen anderen Weg gewählt zu haben.

Für größeres Bild bitte klicken!Ab Landeck gab es auf der Via Claudia zwei verschiedenen Routen. Die leichtere führte direkt am Inn entlang. Die andere, natürlich schwierigere Route führte an Schloss Landeck vorbei über die Fließer Platte nach Altenzoll. Über diese Stecke quälten wir uns dann auch hoch und wurden mit einem super Höhentrail, gespickt mit historischen Wegstücken und toller Aussicht entschädigt. In Fließ musste einfach ein Capuccino genommen werden, bevor es über eine Asphaltstraße wieder ins Tal zum Inn ging.

Für größeres Bild bitte klicken!Auf dem folgenden Stück nach Pfunds fuhren wir auf kleinen Asphalt- und Schotterstraßen durch das Tal. Dabei überholten wir einen Vater, der mit seinen beiden 11 und 13 Jahre alten Söhnen ebenfalls auf Alpenüberquerung war. Wir fuhren letztendlich bis Reschen gemeinsam und bestaunten das Durchhaltevermögen des jüngsten. Kurz vor Pfunds war die Straße von der Polizei gesperrt. Alle Autos mussten anhalten und wurden wieder zurückgeschickt. Für uns hatte der nette Polizist aber eine gute Nachricht: Wir durften die Bundesstraße über den Reschenpass benutzen, was der Vater mit den Jungs natürlich gerne annahm. Roger und ich konnten uns natürlich die einmalige Chance, auf der (extra für uns :) gesperrten Passstraße zu fahren, nicht entgehen lassen.

Im Nachhinein weiß ich aber immer noch nicht, welche Brücke einsturzgefährdet sein sollte. Jedenfalls hatten wir Bau- und Sicherungsarbeiten erwartet, und trafen nur auf eine leere Straße. So konnten wir wenigsten in Ruhe die Aussicht genießen und Bilder von Fort Nauders machen, an dem wir sonst mit dem Auto immer schnell vorbeirauschen. Eine kurze Rast an Schloss Naudersberg und die letzten Höhenmeter lagen vor uns. Mit 1450m erreichten wir den bis dahin höchsten Punkt unserer Tour. Übrigens schien jetzt auch die Sonne und ein starker Rückenwind trieb uns am Reschensee hinab nach St. Valentin.

Für größeres Bild bitte klicken!Hier waren wir trotz unserer mehr als 7 stündigen Fahrt noch vor Ulrike am Campingplatz. Allerdings musste sie ja auch einen ganz schönen Umweg fahren. Roger fand auch sofort ein Zimmer im Ort und wir verabredeten uns beim gemeinsamen Abendessen zum Start am nächsten Morgen um 9:00 Uhr.


St. Valentin - Burgeis - Schleis - Laatsch - Prad am Stilfser Joch - Latsch - Naturns - Meran - Lana

[88,77 km Σ267,42 km]

Für größeres Bild bitte klicken!Roger hätte eigentlich in Prad wieder auf seine ursprünglich geplante Joeroute abzweigen können. Er hatte sich aber entschieden, mit mir das Etschtal hinunter nach Meran zu fahren. Mit Ulrike wurde ein Campingplatz in Lana als Ziel für den Abend verabredet und los ging es mit einer tollen Abfahrt rechts am Haidersee entlang nach Burgeis.

Für größeres Bild bitte klicken!Bald kamen wir in die Obstfelder des Vinschgau. Hier trafen wir auf sehr viele Fahrradfahrer. Zu einfach und zu schön sind diese Wege durch das Etschtal. In Prad am Stilfserjoch gönnten wir uns einen Capuccino. Die Dörfer waren bezaubernd und immer wieder fuhren wir an Burgen und Schlössern vorbei. Kurz vor Nauders erblicken wir Schloss Juval, den Wohnsitz von Reinhold Messner. In seinem Schatten suchten wir uns eine Bank inmitten der Obstfelder und verspeisten unser mitgebrachtes Obst. Die vielen Äpfel waren leider noch nicht reif.

Um etwas Abwechslung in die Asphalt- und Schotterpisten zu bringen, fuhren wir ab Tschirland nach Schloss Dornsberg, einer Burgruine. Hier fanden wir schöne Trails am Waldrand und man glaubt es kaum, hier hatten Roger und ich uns verloren. Aber wofür hat man Handys. Auf einem Trimm dich- Pfad trafen wir uns wieder. In Plaus endeten die Trails und wir kreuzten die Etsch, um bald darauf auf Meran zu blicken. Über die alte Etschstraße rollten wir in die City. Hier suchten wir uns in der Fußgängerzone eine Gelateria und genossen unser Eis, immer die Passanten beobachtend.

Für größeres Bild bitte klicken!Der Weg nach Lana führte über die Hauptstraße. Irgendwie hatten wir den Abzweig verpasst. So kamen wir schnell zum Campingplatz, wo Ulrike schon mit Kaffee und Kuchen auf uns wartete. Ein kurzes Bad im Pool entspannte die Muskeln.

Der dritte Tag war gelaufen. So zwischendurch war eine Etappe durchs Tal ja ganz gut, aber eigentlich wollten wir ja was anderes. Im Buch von Achim Zahn waren ab Lana zwei Etappen über das Gampenjoch und durch das Brentagebirge beschrieben. Das Problem bestand nur darin, die erforderlichen Karten zu bekommen. Auf dem Campingplatz fragte ich nach einem Fahrradweg zum Gampenjoch. Die gute Frau guckte mich ganz verdutzt an: Alle Gäste fahren die Hauptstraße hoch. Ich hatte vergessen zu sagen, dass wir kein Rennrad fuhren. Auf jeden Fall bekam ich eine Wanderkarte der Gegend. Allerdings nur für den nördlichen Teil unserer morgigen Etappe.


Lana - Schloss Brandis - Tisens - Bad Gfrill - Gampenjoch - Unsere Liebe Frau im Walde - Fondo - Brenz - Cloz - Revo - Cles - Dimaro

[73,47 km Σ340,89 km]

Für größeres Bild bitte klicken!Der Tag begann mit 100 überflüssigen Höhenmetern.Wir hatten den Weg nach Schloss Brandis gesucht und waren dem Rat einer freundlichen Italienerin gefolgt. Nur irgendwie hatten wir rechts und links verwechselt.

Aber wo es rauf geht, geht es auch wieder runter. Schließlich fanden wir den Brandiswaalweg und folgten ihm bis Tisens. Ein schöner, teils aber auch sehr steiler Wanderweg immer am Hang hoch. Oben ging es zunächst über kleine Asphaltstraßen nach Bad Gfrill. Ab dort begann der Wanderweg 13 zum Gampenjoch, und da er im Winter als Rodelbahn benutzt wird, war er entsprechend steil und kurvenreich. Oben waren wir total durchgeschwitzt und mussten erst mal die Trikots wechseln. Eine Portion Spaghetti brachte die Kräfte zurück.

Für größeres Bild bitte klicken!Die obligatorischen "Passbilder" und ab ging die Fahrt über einen Schotterweg neben der Hauptstraße nach ‚Unsere Liebe Frau im Walde'. In diesem kleinen Dorf suchten wir mal wieder den Weg nach St. Felix. Fanden in schließlich auch und genossen dann die Aussicht auf die vielen Schluchten um uns herum.

Für größeres Bild bitte klicken!In St. Felix endete unsere Karte. Obwohl wir genau wussten, dass es auch Forstwege nach Fondo geben musste, fanden wir den Einstieg nicht und beschlossen schließlich auf der Hauptstraße nach Cles zu fahren. Nur so konnte es nicht weitergehen. Ohne richtige Karte fühlt man sich so aufgeschmissen.

Also dirigierten wir Ulrike mit dem Wohnmobil nach Dimaro. Hier startete die letzte Etappe der Joeroute und davon hatte Roger ja die Karten. Und auf denen fanden wir auch wieder den Radweg von Cles nach Dimaro. Der Campingplatz hatte zwar momentan kein Schwimmbad (wurde umgebaut), dafür aber eine gute Pizza.


Dimaro - Madonna di Campiglio - Rif. Vallesinella - Val d'Agola - Lago di Val d'Agola - Passo del Grotto - Stenico - Ponte Arche - Passo di Ballino - Riva del Garda

[90,83 km Σ431,72 km]

Für größeres Bild bitte klicken!Die letzte Etappe sollte die Königsetappe werden: 2000 hm hoch und 2700 hm runter. Das gute an ihr war, dass die großen Anstiege alle im ersten Drittel der Etappe lagen. Wie immer starteten wir um 9:00 Uhr. Kurz hinter Dimaro bogen wir auf einen Forstweg ab. Durch den Wald ging es nun stetig bergauf. Unterwegs überholten uns drei Mountain- Biker, um uns eine halbe Stunde später in einem Höllentempo wieder entgegen zu kommen. Auch eine Art Frühsport zu betreiben.

Für größeres Bild bitte klicken!Wir erreichten die ‚Malga Campo Carlo Magno' und legten eine kurze Rast ein. Der erste Anstieg war geschafft. Weiter ging es zunächst wieder bergab zur Talstation der Groste- Seilbahn und nach Madonna di Campiglio. Dann über eine Asphaltstraße zur Rifugio Vallesinella. Ein nur zum Teil fahrbarer Trail führte uns an den Cascade di Mezzo- Wasserfällen vorbei in Val d'Agola. Hier begann ein 4 km langer Schotteraufstieg zum Lago di Val d'Agola. An diesem Bergsee mit Blick auf das Brenta- Gebirge legten wir eine kurze Pause ein, um anschließend eine 40 minütige Schiebe- und Tragepassage zu den ‚12 Aposteln' zu beginnen. Und da standen wir dann ganz ehrfürchtig vor diesem Bergmassiv. Alle so knapp an die 3000 m hoch, war schon toll!

Allerdings schauten wir etwas auf die Uhr; wir hatten unseren höchsten Punkt noch nicht erreicht. Nach bis dahin 32 km standen wir gegen 16:00 Uhr am Passo del Gotro. Ein letzte Blick von oben über die Täler und dann ging es in Richtung Süden. Zunächst ein kurzer Trail, dann eine lange Schotter- und Asphaltpiste führten uns nach Stenico. Eine Abfahrt erster Sahne! Nun trennten uns noch knapp 30 km von Riva.

Für größeres Bild bitte klicken!Über Asphalt ging es nun hinunter nach Ponte Arche und noch einmal hinauf auf den Passo di Ballino. Dort begann dann die letzte Abfahrt nach Riva des Garda. Auf den kurvenreichen Straßen hieß es nur auf den Verkehr achten und auf den letzten Metern nicht noch stürzen. Und dann der erste Blick auf den Gardasee: Anhalten, Foto machen und Ulrike anrufen. Gleich sind wir da!

Für größeres Bild bitte klicken!Kurz vor 19:00 Uhr fuhren wir durch das Zentrum direkt zum Hafen, bis auf den Kai! Wir waren am Ziel! Groß war die Freude, es (doch noch) geschafft zu haben. Roger und ich gratulierten uns gegenseitig zur gelungenen Alpenüberquerung und machten noch ein paar Erinnerungsbilder. Der nächste Weg führte in eine Eisdiele; dort trafen wir Ulrike mit Giovanni. Das folgende Eis schmeckte besonders gut. Es wurde schon dunkel, als es zum Campingplatz ging. Der nächste Tag sollte erst mal Gammeltag sein.

Für größeres Bild bitte klicken!Nun liegt der Alpencross schon ein paar Tage zurück. Nach der ursprünglichen Planungseuphorie folgten die Startschwierigkeiten.

Im Nachhinein war es Richtig, die ursprüngliche Tour abzusagen. Wer weiß, was uns da erwartet hätte. Aber letztendlich habe ich mir meinen Wunsch erfüllt: Ich bin mit dem Fahrrad über die Alpen gefahren! Zwar nicht so hoch und nicht so weit wie ursprünglich geplant, aber immerhin. Sie sehen die Daten in der folgenden Tabelle:

 

Tag Etappe vmittel v max Etappenzeit Fahrzeit aufgelaufen
km hm km/h km/h hh:mm:ss hh:mm:ss km hm
1 90,44 1400 12,96 50,20 10:00:20 06:58:31 70% 90,44 1400
2 88,21 1100 15,72 54,90 09:28:11 05:36:30 59% 178,65 2500
3 88,77 300 19,30 63,60 07:12:24 04:35:53 64% 267,42 2800
4 73,47 1600 12,87 48,70 08:35:14 05:42:24 66% 340,89 4400
5 90,83 2000 12,34 53,00 09:59:12 07:21:19 74% 431,72 6400
Σ 431,72 6400 14,27 45:15:21 30:14:37 67%

 

Für größeres Bild bitte klicken!Abschließend kann ich festhalten, dass ich mich zukünftig auch bei der Planung nicht mehr so festlegen werde. Die grobe Richtung ja, den groben Zeitpunkt auch, aber nicht mehr vorher buchen. Das geht zu sehr an die Nerven. Roger hat es mir ja vorgemacht. Man bekommt immer ein Quartier.

Und außerdem war die Alternative mit dem begleitenden Wohnmobil auch nicht schlecht. Mal sehen, was ich beim nächsten Alpencross mache. Aber im nächsten Jahr geht es erst mal wieder nach Schweden. Vielleicht ja eine Fahrradtour durch Schweden mit Begleitwohnmobil?

Und nun noch mal schöne Grüße an Roger und vielen Dank für die gemeinsame Tour. Es hat Spaß gemacht!

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