Versterålen und Wale im Nordmeer

Für größeres Bild bitte klicken!Bei Taen befindet sich an einem wunderbaren Sandstrand ein Badeplatz mit Parkplatz. Hier blieben wir über Nacht. Wir konnten mit Giovanni noch einen schönen Spaziergang über das felsige und mit Buschwerk durchwachsene Gelände machen und hatten dabei einen schönen Blick auf die Lofoten. Ganz in der Ferne konnte man den Hoven sehr gut erkennen. Da wir diesmal auf der Südseite der Insel standen und die letzte Nacht eher kurz war, ging es heute mal früher zu Bett.

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An nächsten Tag sollte es zügig nach Andenes gehen. Wir wollten an einer Walsafari teilnehmen und dazu musste man sich einen Tag vorher in eine Liste eintragen. In Stockmarknes hielten wir am Hurtigruten Museum. Hier wurde 1893 die weltberühmte Schiffsverbindung von Richard With gegründet. Neben der Straße steht die alte „MS Finnmarken" auf Land. Für größeres Bild bitte klicken!Sie überragt die umliegenden Häuser um einiges und ist mit einer Gangway mit dem Museum verbunden. Das Schiff wurde 1956 bei Blohm & Voss in Hamburg gebaut und 1993 zu Gunsten größerer und modernerer Schiffe aus dem Verkehr gezogen; u.a. hatte sie noch Kranverladung für Waren und PKW.

Wir schlenderten einmal durch die Einkaufsstraße und fuhren dann über eine Brücke auf die Insel Langøya. Die Landschaft ist sanfter und weniger spektakulär als auf den Lofoten. Die Berge sind weitgehend abgerundet und zwischen Bergkette und Meer befinden sich zum Teil breite Streifen Weideland. Bei Sortland, dem Hauptort der Versterålen, fuhren wir über die 860 m lange und 30 m hohe Sortland-Brücke und bogen dann nach links auf eine landschaftlich sehr schöne Strecke entlang des Risøysundet Fjord ab. Hier sahen wir übrigens einen schönen Hobby 600 im Vorgarten eines Hauses stehen. Den Hognfjord kreuzten wir mit einer Brücke, andere Fjorde mussten wir umfahren. So erreichten wir die Risøyhamn-Brua. Es ist eine riesige Stelzenbrücke, die in hohem Bogen und mit 750m Länge die Meerenge Risøysundet zwischen den Inseln Hinnøya und Andøya überquert. Diese Meerenge wird ebenfalls von der Hurtigruten durchfahren und musste 1912 aufwändig ausgebaggert werden. Auch heute noch markieren Bojen die flache Durchfahrt.

Für größeres Bild bitte klicken!Die Insel Andøya ist die nördlichste der Vesterålen. Es ist ein lang gestreckter Inselfinger im Nordatlantik mit Gipfeln von 300 bis 500 m Höhe, aber auch Mooren und Tiefebenen. Wir fuhren über die schnellere Ostroute nach Andenes, dem Hauptort der Insel. Unterwegs mussten wir immer mal wieder anhalten und die Landschaft genießen. Besonders prächtig war der Löwenzahn, der rechts und links der Straße für einen natürlichen Farbstreifen sorgte.

Andenes ist NATO-Stützpunkt und hat eine Raketenabschußrampe zur wissenschaftlichen Untersuchung des Nordlichtes. Am berühmtesten ist der Ort aber für seine Walsafaris. So steuerten wir auch zuerst das Walzentrum um Leuchtturm an und trugen uns in die Reservierungsliste für den kommenden Vormittag ein. Außer Leuchtturm und Hafen gibt es in der Stadt nicht viel Interessantes zu sehen. So fuhren wir auf den knapp vier Kilometer entfernten Campingplatz und richteten uns dort ein. Für größeres Bild bitte klicken!Da der Platz direkt an einem wunderbaren Sandstrand liegt, war das natürlich eine Belohnung für unseren Hund. Er hatte wieder Spaß ohne Ende und das schönste war, gegen Mitternacht durfte er das noch einmal wiederholen. Wir sahen wieder eine strahlende Sonne über dem Meer. Hund im Wasser - natürlich um MitternachtIch musste mir schon etwas einfallen lassen, um die Motive interessanter zu gestalten. Immer nur Mitternachtssonne über dem Meer wird mit der Zeit auch langweilig. So versuchte ich es diesmal mit Aufnahmen aus der Bodenperspektive. Das sich das Sandgras dabei im Wind bewegte, ist eventuell ein kleiner Nachteil. Andersrum boten Campingplatz und Bergkette im Schein der Sonne auch einen tollen Anblick.

46_dscf9434Als wir am anderen Morgen aufwachten stand die Sonne immer noch am Himmel. Allerdings hatte der Wind zugenommen. Ulrike unkte mit Blick auf die bevorstehende Bootstour schon rum. Nur soweit kam es gar nicht. Auf Grund des starken Nordost-Windes wurde die Walsafari abgesagt. Da die Reservierungsliste für den nächsten Vormittag auch schon voll war, trugen wir uns dann für den Nachmittag ein. Schließlich waren wir ja hierher gekommen um Wale zu sehen. Da lassen wir uns doch nicht von so ein bisschen Wind davon abhalten.

Stattdessen fuhren wir an der Raketenabschußanlage vorbei nach Bleik. Das ist mit 400 Einwohnern die größte Ansiedlung an der Westküste der Insel. Der Ort liegt traumhaft an einem 2 km langen Sandstrand. Ihm vorgelagert ist Bleiksøya, eine Vogelinsel im Meer. Hier leben bis zu 60000 Papageientaucher. Früher wurden ihre Eier von den Bewohnern gesammelt.

So schwimmen die Norweger in BleikWir fuhren einmal durch das Dorf und parkten unser Wohnmobil dann an einem See. Von hier aus wanderten wir durch Bleiksmorenen, ein Sumpf- und Heidegebiet, bis zu dem Vogelfelsen und von dort am Strand wieder zurück. Als wir den See wieder erreichten, konnten wir die Dorfjugend beim Schwimmen beobachten - im Neoprenanzug. Wir hatten eine Lufttemperatur von 9°C. Das Wasser dürfte aber auch nicht wärmer gewesen sein.

Den Nachmittag verbrachten wir auf dem Campingplatz. Zum Glück hatte ich dort Internet und so konnte ich etwas surfen und Bilder beschriften.

Am folgenden Morgen hatte sich der Wind gelegt. Dafür war der Himmel aber auch bewölkt und die Sonne kam nur selten durch. Im Walzentrum herrschte reger Betrieb. Die Fahrt war natürlich ausgebucht. Für größeres Bild bitte klicken!Zunächst wurden wir von unseren Guides begrüßt. Dann bekamen wir ein paar allgemeine Informationen zur Fahrt und den Hinweis, bei Bedarf eine Tablette gegen Seekrankheit einzunehmen. Natürlich hatten wir Bedarf, denn die See war vom gestrigen Wind noch sehr aufgewühlt. Dann wurden wir nach den Landessprachen in drei Gruppen aufgeteilt. Ulrika - so hießt unser Guide - zeigte uns zunächst das Skelett eines Pottwales, der vor ein paar Jahren vor Andenes angeschwemmt wurde. Mit Hilfe eines kleinen Stofftieres erklärte sie uns den Körperaufbau der Tiere. In einem anderen Raum erklärte Ulrika uns, dass es kurz vor Andenes einen Sprung im europäischen Festlandssockel gibt und die Tiefe des Meeres fast schlagartig auf 1000 m zunimmt. Bedingt durch den Golfstrom gibt es hier viel Nahrung für die Wale. Sie erklärt weiter, dass es hier nur männliche Pottwale gibt, die im Alter von ca. 15 Jahren hierher ziehen und sich dann die kommenden 15 nur „voll fressen". Wenn sie dann im Alter von ca. 30 Jahren geschlechtsreif sind, ziehen sie ins Mittelmeer oder zu den Azoren, wo die Weibchen mit den Jungen leben. In einem weiteren Raum wurde uns erklärt, wie die Wale, die ja Säugetiere sind, den Sauerstoff in ihrem Körper bunkern, wie sie mit Hilfe von Geräuschen eine Art Radar zur Ortung ihrer Beute aufbauen und warum sie sich an der Wasseroberfläche ausruhen und dann wieder abtauchen. Wir erfuhren etwas über ihre Beute und dass man die Tiere hier schon sehr lange wissenschaftlich beobachtet und alle Tiere Namen haben. Man unterscheidet sie in erster Linie an der Form ihrer Fluke. Außerdem gibt es einen Wal, der einen weißen Fleck auf der Rückenflosse hat. Das ist Glenn. Er ist nach dem Sohn des Kapitäns des Walsafari-Schiffes benannt und lebt schon seit 1994 vor Andenes.

Für größeres Bild bitte klicken!Nach dieser Einführung gingen wir den Weg vom Walzentrum zum Hafen, wo unser Schiff, die M/S Reine, auf uns wartete. Pünktlich um 18:00 Uhr liefen wir aus. Zunächst wurde die längste Molenanlage Norwegens umfahren und dann nehmen wir Kurs auf Bleikcanyon; so heißt der Unterwassergraben. Wir konnten unseren Campingplatz, die Raketenabschussanlage und Bleik vom Wasser aus betrachten. Ganz hinten am Festland schien sogar die Sonne. Je weiter wir hinauskamen, desto mehr tanzte das Schiff auf den Wellen. Die Guides begannen die ersten „Ko..tüten" zu verteilen. Ulrike hatte auch etwas Probleme mit dem Mageninhalt. Sie bekam einen Platz in der Nähe des Schiffsschwerpunktes zugewiesen. Bei mir schien die Tablette besser zu wirken. So fuhren wir eine gute Stunde auf das Meer hinaus. Dann kam einer der Meeresforscher vom Aussichtsturm herunter und der Kapitän schaltete den Lautsprecher ein. Man hörte ein leises Klicken. Jetzt jagte der Wal unten in 1000m Tiefe. Langsam trieb das Schiff auf dem Wasser. Dann hörte das Klicken auf - jetzt würde er gleich hochkommen. Und tatsächlich: Wal, links! Es war Glenn, der mit dem weißen Fleck. Für größeres Bild bitte klicken!Vorsichtig fuhr der Kapitän näher ran. Glenn lag ruhig auf dem Wasser. Ab und zu blies er nach links aus. Man sah nur den Vorderteil seines Körpers bis zur Rückenflosse. Nach fünf oder sechs Minuten krümmte er den Rücken. Dann tauche er wieder ab und dabei kam seine Fluke für einen Moment aus dem Wasser - und das war genau der Moment, auf den alle Fotografen an Bord gewartet hatten. Gut, das ich schon vorher geübt hatte, die Kamera auf dem schaukelnden Schiff ruhig zu halten.

Dann war Glenn weg und an Bord erst einmal Ruhe. Schnell wurden die Bilder durchgeguckt und überlegt, wo man noch was verbessern könnte. Nach einer Weile ertönten wieder Klicks aus dem Lautsprecher. Ein anderer Wal wurde geortet. TFür größeres Bild bitte klicken!atsächlich tauchte auch er kurz danach auf und der Kapitän drehte das Schiff so, dass der Wal diesmal rechts war. Und wieder das gleiche Schauspiel und wieder klickten die Kameras und diesmal beobachtete Ulrike den Wal mit einer Tüte am Mund. Unsere Guides schauen auf die Uhr. Seit Glenns Abtauchen waren 45 Minuten vergangen. Bald musste er wieder auftauchen. Wie angekündigt erlebten wir auch die nächste Ruhepause des Wales und konnten uns seine Fluke beim Abtauchen noch einmal angucken. Danach hatte er für heute Ruhe vor uns und wir machten uns auf die Rückfahrt. Wir bekamen noch Zertifikate mit den wichtigsten Daten unserer Walsafari ausgehändigt. Ulrike war wieder froh, festen Boden unter den Füßen zu haben. Bis auf die Tatsache, dass wir keine Sonne hatten, war es eine gelungene Veranstaltung. Und wegen der fehlenden Sonne kann man ja irgendwann noch einmal wiederkommen.

Für größeres Bild bitte klicken!Zufrieden fuhren wir wieder zum Campingplatz, wo wir erst einmal wieder feste Nahrung zu uns nahmen. Wir stellten fest, dass wir gerade den Höhepunkt unserer diesjährigen Urlaubsreise überschritten hatten. Andenes war außerdem der nördlichste Punkt. Ab Morgen ging es wieder in Richtung Heimat. Aber pünktlich zu Mitternacht schickte die Sonne doch noch ein paar Strahlen durch die Wolkendecke und ich konnte noch ein paar Fotos schießen. Um nicht schon wieder Sonne über Meer zu haben, wählte ich diesmal eine Einfamilienhaussiedlung als Vordergrund. Obwohl schon geschützt zwischen den Dünen gelegen, hatten alle Häuser hohe Bretterzäune um ihre „Gärten" und die Fenster bestanden weitgehend nur aus Oberlichtern. Da kann man sich ungefähr vorstellen, wie die Verhältnisse im Herbst oder Winter hier sein müssen. Heute war mit 9°C ja schon fast Sommer.

Für größeres Bild bitte klicken!Für den Rückweg hatten wir uns die Küstenstraße Rv17 ausgewählt. Einen Teil dieser Strecke waren wir 2008 schon gefahren. Diesmal wollten wir die 650 km lange Strecke von Bodø nach Steinkjer komplett abfahren. Ebenso wollte ich auch mal die Strecke von Narvik nach Bodø fahren. Also hieß unser nächstes Ziel Narvik. Wir wählten die westliche Küstenstraße von Andenes nach Risøyhamn. So kamen wir noch einmal an Bleik vorbei, ebenso wie an vielen kleinen Siedlungen und vielen Sandbuchten. Landschaftlich ist dies sicherlich die schönere Strecke. Bei Sortland überquerten wir noch einmal die Brücke, um einzukaufen und zu tanken. Dann fuhren wir auf der alten E10 am Tjeldsund vorbei und über die gleichnamige Brücke. Während es morgens noch bewölkt war, so strahlte jetzt die Sonne am blauen Himmel. Ich musste öfters anhalten und die Augenblicke auf den Chip speichern. Gegen Abend erreichten wir den Campingplatz von Narvik. Für größeres Bild bitte klicken!Ursprünglich wollten wir uns hier mit Luc treffen, aber er hatte sich schon vor ein paar Tagen aus Schweden gemeldet. Ihm gefiel es dort so gut, dass er sich zeitlich nicht unter Druck setzen wollte. So stellten wir uns auf den Platz, auf dem Jani im letzten Jahr stand und schwelgten in Erinnerung. Während meiner abendlichen Hunderunde machte ich ein paar Aufnahmen von ein paar Bootshäusern im Sonnenlicht. Langsam war mein Hunger auf Mitternachtssonnenbilder gestillt. Ich saß heute lieber im Auto, las ein Buch und guckte zwischendurch mal auf das Meer.

Am nächsten Morgen verließen wir Narvik und fuhren auf der E6 gen Süden. Wir umrundeten mehrere Fjorde und fuhren über zum Teil lange Hängebrücken. Die Besiedlung wurde zunehmend dünner und dann stieg die Straße an und wir überquerten eine Bergkette. Teilweise quälten wir uns im zweiten Gang den Berg hoch. Die tollen Aussichten wurden aber durch den bedeckten Himmel etwas vertrübt. Den Tysfjorden mussten wir von Skarberget nach Bognes mit einer Fähre überqueren. Am Anleger wollte ein Mädchen unsere Scheiben putzen. Obwohl sie kaum an die Windschutzscheibe kam, gab sie sich doch viel Mühe und wurde mit einem Trinkgeld belohnt. Das war aber auch mehr für den Spaß, den wir beim Zugucken hatten. Nach der Fähre ging es sofort wieder steil hoch. Die nächste Bergkette musste überwunden werden.Für größeres Bild bitte klicken! Bei Tømmerneset stoppten wir an einem Rastplatz. Hier gibt es ca. 8000 Jahre alte Felszeichnungen zu besichtigen. Rentiere sind auf blanken, von eiszeitlichen Gletschern geschliffenen Felsen gemalt. Aber auch die Felsen sind in ihrer gradlinigen Ausrichtung sehenswert. So brachte ein Spaziergang etwas Abwechselung, bevor es dann weiter nach Fauske ging. Auf dem Weg dorthin fielen uns einige auffallend flache Straßentunnel auf. Sie waren im 2. Weltkrieg für die Polar-Eisenbahn gebaut und später für die E6 umfunktioniert worden. In Fauske schloss sich für uns wieder ein kleiner Kreis. Das Stück nach Bodø waren wir vor gut einer Woche schon einmal gefahren. Nur diesmal bogen wir in Løding auf die Rv17 ab. Zwischenzeitlich war es schon Abend geworden und wir sahen viele Norweger, wie sie am Ufer Feuer anzündeten und feierten - heute war Mittsommernacht!

Kommentare  

+1 #3 Nachschlag LofotenGerd Rafalski 2013-12-22 13:26
Hoy Wilfried
Super Bericht, Tourendaten, gute Tips.
Das ist genau was ich brauche. Wir wollen 2014 nach den Lofoten, sind aber absolute Neulinge. Somit für jeden Tip dankbar. Mach weiter so.
Liebe Grüsse aus der Schweiz. Gerd
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+3 #2 RE: Lofoten 2009 ...Nachschlag geholtMagnar 2009-07-31 21:17
Hallo Wilfried,
habe Deinen Bericht mit Interesse gelesen. Mann könnte ihn fast als Navi-Ersatz nehmen, so ausführlich ist er.
Ich bleibe hier auf der E6 und lasse mich so langsam Richtung Alesund treiben, dann geht es irgendwie ohne große Planung bis zum 18.08.09 wieder Richtung Heimat.
Gruß aus Norwegen
Magnar - Camperf32 -
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+4 #1 RE: Lofoten 2009 ...Nachschlag geholtmoni-kiel 2009-07-30 20:03
Moin Wilfried,
mal wieder ein Superbericht und tolle Bilder. Danke nochmal für den Tip mit CP Hov war super

Lieben Gruß Moni
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