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Vesterålen und Senja

Wir hatten die Inselgruppe der Vesterålen während unserer Tour 2009 schon einmal besucht. Damals war eine Walsafari unser Ziel. Sie startete in Andenes, dem nördlichsten Ort der Insel Andøya. Die Fahrt dorthin ist uns in positiver Erinnerung geblieben, sodass wir damals schon beschlossen, die Inselgruppe einmal näher kennen lernen zu wollen.

Die Region bietet eine sehr abwechslungsreiche Landschaft: Schroffe Gebirgsformationen erheben sich wie auf den Lofoten direkt aus dem Meer, während einsame, weiße Sandstrände Erinnerungen an südliche Länder aufkommen lassen. Insgesamt ist die Landschaft lieblicher als auf den Lofoten. Dafür sorgen Moore, einsame Gebirgstäler und kleine Hochebenen.

Für größeres Bild bitte klicken!Auf der Fähre nach Melbu standen wir neben einem Tesla Model S. Hatten wir zu Beginn unserer Reise noch gedacht, man würde Elektroautos nur in Ballungsräumen antreffen, so wurden wir eines Besseren belehrt. Selbst hier oben im Norden, weit ab von Großstädten trafen wir sehr viele E-Autos, die man zum Teil nur an ihren besonderen Kennzeichen erkennt.

Grund dafür sind die staatlichen Vergünstigungen und finanziellen Anreize, die die norwegische Regierung geschaffen hat, sodass Elektroautos zum Teil preiswerter sind als Verbrennungsmotorfahrzeuge. Die Elektroautos hatten 2015 einen Anteil bei den Neuzulassungen von 23 Prozent, womit Norwegen weltweit führend ist. Ein Käufer eines Elektroautos erhält Vergünstigungen (keine Mehrwertsteuer, keine Abgassteuer usw.) von etwa 20.000 Euro pro Fahrzeug. Elektroautos dürfen auf vielen Busspuren am Stau vorbeigefahren werden. Parken ist kostenlos, ebenso das Benutzen der Fjordfähren, das Auftanken an den 4000 öffentlichen Ladestationen sowie das Benutzen von mautpflichtigen Strecken, von denen es in Norwegen viele gibt. (Quelle: Wikipedia)

Aber zurück zu unserer Reise. Erstes Ziel auf den Vesterålen war Stokmarknes. In diesem idyllischen Dorf gründete Richard With vor mehr als 120 Jahren die erste Hurtigruten Reederei. Hier befindet sich auch das Hurtigruten-Haus mit dem Hurtigruten Museum. Bei der Besichtigung begibt man sich auf eine Zeitreise entlang der Küste. Man sieht, welche Änderungen in den vergangenen 120 Jahren an Bord der Schiffe vorgenommen worden sind. Aber auch Berichte über Schiffsunglücke sind Teil der Ausstellung. Neben dem Museum liegt die alte „MS Finnmarken“. Das 1956 in Dienst gestellte Hurtigruten-Schiff wurde nach seiner Ausmusterung 1993 auf dem Museumsgelände aufgedockt und kann besichtigt werden kann. Wegen der fortschreitenden Korrosion wurde das Museumsschiff kurzfristig mit einem Leichtbau-Dach aus Trapezblechen abgedeckt. Mittelfristig sind größere Aufwendungen für den Erhalt des Schiffes notwendig.

Für größeres Bild bitte klicken!Der Besuch auf dem alten Schiff war sehr beeindruckend, auch wenn es wohl nicht mehr mit den modernen Schiffen vergleichbar ist. Die Sehnsucht wuchs, als die „MS Polarlys“ nebenan anlegte.

Für größeres Bild bitte klicken!Wir nutzen einen Parkplatz in der Nähe für unsere Kuchenzeit und einen Spaziergang mit dem Hund. Anschließend hatten wir Gelegenheit, die Passage der Polarlys unter der Hadselbrua zu betrachten. Wir fuhren über die Brücke auf die Insel Langøya. 2009 hatten wir die östliche, schnellere Route benutzt. In diesem Jahr fuhren wir deshalb über die westliche Passage direkt an der Küste entlang.

Für größeres Bild bitte klicken!Leider war der Himmel bewölkt. Dennoch waren die Eindrücke sehr abwechslungsreich. Im Norden der Insel fuhren wir durch eine Moorlandschaft; flach und braun. Unser Tagesziel war der Stellplatz von Stø. Dieser kleine Ort ist ebenfalls ein beliebtes Touristenziel, da von hier aus auch Walsafaris starten.

Heute wollten wir den Dorsch grillen, den wir gestern geschenkt bekommen hatten. Aber keine Chance. Der Wind blies den Gasgrill ständig aus, sodass wir den Fisch letztlich im Wohnmobil zubereiten mussten. Wider Erwarten hielt sich der Fischgeruch aber in Grenzen. Dafür schmeckte er umso besser. Unsere Hoffnung auf Mitternachtssonne wurde wieder nicht erfüllt.

Für größeres Bild bitte klicken!Dafür staunten wir am nächsten Morgen nicht schlecht, als uns strahlend blauer Himmel begrüßte. Wieder hatte sich das Wetter innerhalb kürzester Zeit radikal geändert. Die Rückfahrt von Stø durch das Moor machte richtig Spaß. Was ein blauer Himmel ausmacht.

Für größeres Bild bitte klicken!Kurz vor Myre bogen wir nach links ab. Wir wollten nach Nyksund, einem etwa 15 Einwohner sowie bis zu 40 Touristen zählendes Fischerdorf. (Quelle: Wikipedia) Es liegt am Nordrand der Insel Langøya und ist über eine teils asphaltierte und teils nur geschotterte Straße zu erreichen. Das Dorf ist in der Vergangenheit schon mehrere Male verlassen worden, als Fischer keine ausreichende Lebensbasis mehr sahen. Seit einigen Jahren wird es wiederbelebt.

Für größeres Bild bitte klicken!Das Ortsbild prägen die bunten Fischerhäuser, die sich in eine schmale Bucht zwängen. Teilweise sind sie noch verfallen, einige schon renoviert und eingerichtet. Bekannt geworden ist Nyksund inzwischen für seine Reggae- und Ska-Konzerte sowie seine Gastronomie. In den letzten Jahren stieg der Anteil norwegischer Bewohner wieder.

Für größeres Bild bitte klicken!Allgemein wird in dem Ort auf Ursprünglichkeit Wert gelegt und versucht der begrenzten Anzahl an Touristen ein authentisches Bild der ursprünglichen Lebensweise zu vermitteln. In Nyksund beginnt auch die Wanderroute Königinnenweg, welche sich nach einem ersten Anstieg teilt und für eher ungeübte Wanderer an der Küste entlangführt und für erfahrene Wanderer seinen Weg durch die Berge findet. Beide Wege enden im Nachbardorf Stø und können gegebenenfalls als Rundwanderweg genutzt werden. Für uns auf jeden Fall ein Grund, noch einmal wieder zu kommen.

Für größeres Bild bitte klicken!Während der Fahrt von Nyksund nach Sortland mussten wir des Öfteren anhalten um unsere Eindrücke auf den Chip zu bringen. Was doch ein blauer Himmel ausmacht. Kein Vergleich zu der Fahrerei unter einer dicken Wolkendecke.

Für größeres Bild bitte klicken!In Sortland erwartete uns eine kleine Überraschung. Es war Sonntag und wir mussten noch etwas einkaufen. In Skandinavien eigentlich kein Problem, da die Geschäfte auch sonntags geöffnet sind. In Sortland suchten wir danach allerdings vergebens. In der Innenstadt gähnende Leere. Schließlich fanden wir ein Einkaufszentrum, vor dem viele Autos parkten. Hier gab es eine Sonntagsbutik: einen Laden mit eingeschränktem Angebot, der nur sonntags geöffnet hatte. Hauptsache, wir bekamen unseren Kuchen.

Für größeres Bild bitte klicken!Auf der Insel Andøya fuhren wir über die westliche Küstenstraße. Sie ist auch als Landschaftsroute ausgezeichnet. Die Straße führt zwischen Berge und Küste und später auch durch Moore nach Andenes. Zwischendurch fanden wir schöne Rastplätze mit Zugang zum Meer. Bei solch einem Wetter war das Fahrspaß pur.

Für größeres Bild bitte klicken!In Andenes fuhren wir auf den Campingplatz, den wir schon von der Walsafari kannten.  Er liegt an einem schönen Sandstrand und mit freien Blick nach Norden.  Heute sollten wir in diesem Jahr zum ersten Mal die Mitternachtssonne sehen. Zunächst machten wir mit Amarok einen Strandspaziergang und ich suchte eine Location für die Mitternachtsaufnahmen.

Für größeres Bild bitte klicken!Zwischenzeitlich hatten sich einige vereinzelte Wolken vor die Sonne geschoben, aber pünktlich zu Mitternacht setzte sich die Sonne durch und sorgte für die Bilder, derentwegen wir die lange Reise gemacht hatten.

Für größeres Bild bitte klicken!Während sich die tiefstehende Sonne im Meer spiegelt, sorgte sie an Land für lange Schatten und außergewöhnliche Farben. Die Mücken nutzen das Licht für ihre Spielchen und umschwirrten uns. Zwei Jugendliche kamen mit ihren Mopeds zum Stand, zogen sich aus und gingen eine Runde schwimmen. Bei den Temperaturen wäre ich nie auf die Idee gekommen, aber nur die Harten kommen in den Garten.

Für größeres Bild bitte klicken!Als wir zum Campingplatz zurückkamen, war es schon sehr ruhig. Obwohl es taghell war, schliefen alle. Wir machten die Verdunklung am Wohnmobil zu und taten es ihnen gleich. Heute war ein schöner Tag mit vielen Bildern, die im Gedächtnis und auf der SD-Karte bleiben werden.

Vor 9 Jahren war Andenes der nördlichste Punkt unserer Reise. In diesem Jahr sollte es weiter nach Norden gehen. Mindestens bis Tromsø, eventuell sogar noch weiter. So nahmen wir in Andenes die Fähre nach Gryllefjord. Leider war unsere Ferjekort hier nicht mehr gültig und wir mussten den vollen Preis von 1755 NOK bezahlen. Somit kostete die eine Fähre mehr als alle anderen Inlandsfähren bisher zusammen.

Für größeres Bild bitte klicken!Gryllefjord ist ein kleiner Ort auf der Insel Senja, der zweitgrößten Insel Norwegens. Er besteht aus dem Fährhafen und ein paar Häusern. Nicht mal einen Supermarkt gab es hier. Die schmale Küstenstraße Rv86 ist der Anfang einer weiteren Landschaftsroute. Für größeres Bild bitte klicken!Sie verläuft von Gryllefjord nach Botnhamn und hat eine Länge von 102 km. Wir passierten zahlreiche, zum Teil sehr interessante Brücken und Tunnel und folgten weitgehend der Küstenlinie.

Für größeres Bild bitte klicken!Hinter Finnsæter legten wir bei Senjatrollet eine Pause ein. Hier befindet sich der größte Steintroll der Welt und hält auf 2 Etagen viele Überraschungen bereit und wurde nach einer alten Sage der Insel Senja gebaut. Im größten Trollweib der Welt befindet sich eine Konzertbühne und das Feenland „Hulderheimen“ ist ebenfalls sehenswert.

Für größeres Bild bitte klicken!Kurz danach mussten wir die Küste verlassen und auf der Rv862 zunächst einen Berg hochfahren. Im Skalandtunnel fuhren wir schließlich unter dem Berg durch. Dieser fast 2 km lange Tunnel war einspurig und man musste bei entgegenkommenden Fahrzeugen rechtzeitig eine Ausweichstelle anfahren.

Für größeres Bild bitte klicken!Bevor wir wieder zur Küste hinunterfuhren, hielten wir am Bergsbotn Rastplatz. Hier wurde eine interessante Aussichtsplattform errichtet, auf der man in luftiger Höhe stehen und über den Bergsfjord und das dahinter liegende Meer blicken konnte. Die Fahrt führte uns weiter über eine zeitweise schmale, kurvenreiche Straße nach Skaland. Hier fanden wir einen Supermarkt mit schönem Rastplatz.

Für größeres Bild bitte klicken!Nach der Pause fuhren wir ein kurzes Stück zurück, um dann weiter der Landschaftsroute zu folgen. Ein weiterer Tunnel lag vor uns und als wir ihn verließen, erwartete uns ein toller Blick auf das Meer.

Für größeres Bild bitte klicken!Unmittelbar hinter dem Tunnelausgang sahen wir einen schönen Rastplatz kurz vor Steinfjord direkt am Strand. Das sollte unser nächster Übernachtungsplatz werden. Über die alte Küstenstraße konnte ich mit Amarok schön spazieren gehen und dabei die Sonne genießen. Heute hatten wir zum zweiten Mal Mitternachtssonne!

Für größeres Bild bitte klicken!Am nächsten Morgen unternahmen wir noch einen ausgiebigen Strandspaziergang. Neben Muscheln und dem üblichen Strandgut fanden wir auch einen alten Motor. Das erinnerte mich so an den Wassermotor, den wir mal an der Ostsee gesehen hatten.

Wir folgten der Landschaftsroute und passierten den Tungeneset Rastplatz. Er sah aber eher nach einem Campingplatz aus. So voll war es hier. Da waren wir doch froh, den Rastplatz in Steinfjord gefunden zu haben; auch wenn er kein WC hatte.

Für größeres Bild bitte klicken!Zur Entsorgung und zum Einkaufen fuhren wir nach Senjahopen. Zwischenzeitlich hatte sich der Himmel wieder zugezogen. Wir setzen unsere Fahrt zur nächsten Fähre fort.  Dabei mussten wir wieder mehrere Tunnel passieren. Dabei fielen uns an den Tunneleinfahrten eine Art Briefkasten auf. Sie sind für die Radfahrer und enthalten Warnwesten. Außerdem befindet sich darin ein Schalter, mit dem eine Warnlampe „Radfahrer im Tunnel“ eingeschaltet wird. Am Tunnelausgang muss der Radfahrer die Weste wieder abgeben und die Warnlampe ausschalten.

Für größeres Bild bitte klicken!Wir setzten mit der Fähre von Botnhamn nach Brensholmen auf die Insel Kvaløya über. Wir folgten der Küstenstraße und fanden zufällig am Ende des Nordfjorden einen Parkplatz direkt am Strand. Hier mündet ein Fluss in das Meer und man konnte mit dem Hund wunderbar spazieren gehen. Dabei beobachteten wir eine Frau, die am Strand jede Menge Plastik einsammelte. Alles Treibgut!

Für größeres Bild bitte klicken!Am nächsten Morgen fuhren wir über eine Hochebene auf die andere Seite der Insel. Dort sahen wir schon von weitem die riesige Brücke zur Insel Tromsøya, unserem nächsten Ziel.

Fortsetzung folgt ....

Kommentare  

0 #2 ReiseberichtGert 2018-11-26 18:13
Hallo ihr alten Norwegenfahrer. Das war ja wieder eine schöne Reise von Euch. Kam mir so einiges bekannt vor. Uns fehlt ja noch das Stück längs der Küste vom Nordkap nach Kikenes. Allerdings ist eigentlich das Baltikum vorher dran.
Weiterhin gute Fahrt.
Gudrun&Gert
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0 #1 Schöner BerichtWerner Stange 2018-10-26 09:23
Hallo Wilfried,
endlich mal wieder ein toller Reisebericht. Ich bin schon auf die Fortsetzung gespannt.
Gruß Werner
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